Covid-19-Impfgegner und Maßnahmen zur Erhöhung der Impfquote
Etwa jeder vierte Befragte ist nicht gegen COVID-19 geimpft (in der Bevölkerung ab 18 Jahre) / Mehr als jeder Zehnte in Deutschland gehört zum harten Kern der Impfgegner / Persönliche Betroffenheit in Deutschland geringer als in den Vergleichsländern / Kein klares Votum für eine Impfpflicht, aber eine Zustimmung für eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn rief am vergangenen Wochenende zögernde Menschen auf, möglichst bald ein Impf-Angebot wahrzunehmen. Fünf Millionen Impfungen und mehr seien in Deutschland nötig, um sicher über die nächsten Monate zu kommen. Außerdem gebe aus seiner Sicht nur eine "sehr geringe Zahl" von Menschen, die Impfungen grundsätzlich und hart ablehnten, der Rest sei erreichbar. Eine genaue Bezifferung, wie groß der Anteil der Impfgegner in der Bevölkerung ist, bleibt allerdings offen.
"In unserer letzten Erhebung der Studienreihe OpinionTRAIN haben wir bereits auf die erheblichen Impf-Vorbehalte bestimmter Bevölkerungsgruppen hingewiesen. Leider bestätigt sich, dass es sich erstens bei der Gruppe der Impfgegner um eine größere Anzahl von Menschen handelt und dass sich zweitens die bisher nicht geimpften Menschen nicht so leicht zur Impfung motivieren lassen wie allgemeinhin angenommen wird", betont Johannes Hercher, Vorstand der Rogator AG und Co-Autor der Studie OpinionTRAIN.
Die Ergebnisse der Studie im Überblick:
Etwa jeder vierte Befragte ist nicht gegen COVID-19 geimpft
Im Vergleich der untersuchten Länder liegt die Impfquote in Deutschland mit 76 % im Mittelfeld (Anteil mind. einmal Geimpfter an der Bevölkerung ab 18 Jahre - das RKI weist eine Impfquote von aktuell 66 % (mind. einmal geimpft) bezogen auf die Gesamtbevölkerung aus). 65 % der Erwachsenen sind in Deutschland vollständig geimpft, 11 % haben eine von zwei Dosen erhalten. Trotz anhaltender Appelle zum Impfen sind 24 % der Befragten dem noch nicht nachgekommen. Der Anteil der Nichtgeimpften ist z.B. abhängig von der Altersklasse und der Parteien-Präferenz, allerdings weniger vom Einkommensniveau. Aufgrund der Impf-Priorisierung ergibt sich heute eine klare Altersabhängigkeit bei der Impfquote. Sie ist am geringsten bei Menschen unter 30 Jahren und am höchsten bei den Menschen ab 60 Jahren. Aber selbst bei den 60+-Jährigen liegt der Anteil der Nichtgeimpften bei 16 %. Umgerechnet sind das etwa 4 Mio. Personen. Befragte mit Präferenz von Bündnis 90/Die Grünen (11 %) und der CDU/CSU (12 %) weisen einen unterdurchschnittlichen Anteil der Nichtgeimpften auf, während dieser Anteil bei Anhängern der AfD besonders hoch ist (53 %). Gleichzeitig ist die Impfquote relativ unabhängig vom Haushaltseinkommen. Damit ergeben sich wenig Anzeichen für das Narrativ, die zu geringe Impfquote wäre ein Thema von bildungsschwächeren Schichten, isolierten Personen oder kommunikativ schlecht erreichbaren Menschen.
Mehr als jeder Zehnte gehört zum harten Kern der Impfgegner
In Deutschland geben 45 % der Befragten ohne bisherige Covid-19-Impfung an, dies auch zukünftig nicht zu beabsichtigen. Insgesamt errechnet sich damit für Deutschland ein Anteil von etwa 11 %, die nicht geimpft sind und sich kaum überzeugen lassen. Ca. 14 % der Nichtgeimpften beabsichtigen eine Impfung in der nächsten Zeit, 4 % sind von Corona genesen und 37 % beabsichtigen, noch länger mit dem Impfen zu warten. Diese Zahlen verdeutlichen einen unveränderten Widerstand gegen Covid-19-Impfungen. Hier steht Deutschland allerdings nicht isoliert da. Am höchsten ist der Anteil der Impfgegner in Österreich (15 %), am geringsten in Schweden (7 %). Besonders problematisch ist, dass der signifikante Anteil der Impfgegner sich durch weite Teile der Bevölkerung zieht. Er ist in Deutschland bei Personen mit Tätigkeit im Gesundheitssystem genauso zu identifizieren, wie bei Menschen mit höherem Bildungsabschluss. Eklatant hoch ist dieser Anteil allerdings mit 34 % bei AfD-Wählern.
Persönliche Betroffenheit in Deutschland geringer als in den Vergleichsländern
Dass die Ziele hinsichtlich der Durchimpfung in der Bevölkerung nur schleppend erreicht werden, könnte paradoxerweise damit zusammenhängen, dass Deutschland mit vergleichsweise geringem Anteil mit Covid-19-Infektionen gut durch die Krise gekommen ist. In Deutschland geben 6 % der Befragten an, bereits positiv auf Covid-19 getestet worden zu sein. Jeder zweite gibt an, eine Person mit Ansteckung zu kennen. 47 % der Deutschen kennen persönlich niemanden, der sich mit dem Virus infiziert hat. In Schweden, das lange einen Sonderweg in der Corona-Bekämpfung