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Google, ein 100.000-Dollar-Missverständnis

Im September 1998 brummte das Internet. Die meistbesuchte Website war damals immer noch Our First Time von einem Pärchen namens "Mike" und "Diane", die angekündigt hatten, im Juli 1998 ihre Jungfräulichkeit zu verlieren. Dies sollte angeblich live im World Wide Web übertragen werden – war letztlich aber nur ein Hoax. Softwaremäßig stand der Monat September im Banne der Hacker vom "Cult of the Dead Cow", die ein Tool namens Back Orifice for Windows vorgestellt hatten, die "Killerapplikation für die Windows-Unsicherheit". Auf der Hardwareseite wurden die Ingenieure Martin Eberhard und Ralf Gröne gefeiert, die mit dem Rocket Book für eine Firma namens Nuvomedia das erste eBook kreiert hatten, komplett mit dem typisch deutschen Größenwahn: "Das Buch ist zum Untergang verdammt."

Ein anderer Deutscher sorgte damals mit einem 100.000-Dollar-Scheck für ein größeres Problem. Der "Angel" Andy Bechtolsheim, Mitgründer von Sun Microsystems und damals Ciscos Vizepräsident für die Gigabit Switching Group (seine Firma Granite war von Cisco geschluckt worden), stellte diesen Scheck nach einer nur 10 Minuten dauernden Demonstration aus. Empfänger: Eine gewisse Google Inc., die damals gar nicht existierte. Was die beiden Montessori-Schüler Larry Page und Sergej Brin gezeigt hatten, war eine schnelle Suchmaschine, die bereits ein Jahr zuvor als Google.com registriert worden war. In aller Eile nahm Bechtolsheim an, dass das Startup Google Inc. heißen müsste. Heute vor 10 Jahren wurde diese Firma amtlich registriert, damit der Scheck kassiert werden konnte. Mit Bechtolsheim als Angel werbend, konnten Page und Brin ungefähr eine Million Dollar für den Start von YASE sammeln: "Yet Another Search Engine", spöttelte die Konkurrenz. Der erste "Googleplex" im kalifornischen Menlo Park entstand der offiziellen Firmengeschichte nach in einer Garage, komplett mit Parkplatz für den ersten Angestellten Craig Silverstein. Die Google-Betamaschine bewältigte damals bereits 10.000 Suchanfragen in der Sekunde.

Die Erfolgsgeschichte von Google, der Aufstieg zur größten Internet-Firma und zum weltgrößten privaten Datensammler wird heute landauf, landab in den Medien gefeiert. Dieser Erfolg lag in der Tatsache begründet, dass Google die Websuche mit einem Ranking der Ergebnisse verknüpfte. Die Ergebnisse selbst wurden in schmuckloser Form präsentiert, während die Konkurrenz mit überladenden "Portalen" arbeitete. Die erste öffentliche Google-Demonstration in Europa fand im November 1998 auf der Doors of Perception in Amsterdam statt. Dort punktete Google als "Suche für Geeks". Entsprechend schnell kamen Auszeichnungen wie "Startup des Jahres" oder "Website des Jahres".

Zum Erfolg von Google gehört aber auch, dass die Firma ähnlich wie Alexa Internet als "Spätstarter" das Platzen der Dotcom-Blase ohne Druck durch die 1999 einsteigenden Großinvestoren Sequoia und Kleiner Perkins auswettern konnte. Als Google ein Jahr nach der Firmengründung am 21.September 1999 offiziell startete und das neckische "Beta" von der Website entfernte, herrschte unter den Investoren nackte Panik. In diesem Monat verkaufte Compaq 83 Prozent der damals führenden Suchmaschine Altavista für 2,8 Milliarden US-Dollar an die Investmentgesellschaft CMGI, die das "e-Leadership" im Internet proklamierte. CMGI versprach sich von einem Börsengang der Suchmaschine mindestens den zehnfachen Gewinn. Doch die Internet-Blase platzte, der Börsengang musste abgeblasen werden. Zum Erfolg von Google trug auch dazu bei, dass man die besten Geeks der Universitäten binden konnte: Im September 1999 stieß die als Assistenzprofessorin zu Suchmaschinen forschende Monika Herzinger zu Google, ein Jahr später suchte man sich Eric Schmidt als CEO aus. Schmidt war zuvor im Gründungsjahr von Google mit der Strategie gescheitert, aus Novell mit DigitalMe die führende Internet-Firma zu schaffen.

Spätestens nach dem Börsengang im Jahre 2004 war der Scheck, den Andy Bechtolsheim auf "Google Inc." ausgestellt hatte, mehr als Gold wert. Google hatte mit dem 2002 eingeführten Adwords die immer noch schlanke Suchmaschine zu einer Gelddruckmaschine umfunktioniert und legte einen fulminanten Börsenstart hin. Bechtolsheim war um 500 Millionen Dollar reicher und "googlen" wanderte als Synonym für die Internet-Suche in die Lexika und Wörterbücher. Zehn Jahre nach dem Start besitzt Google die größte Rechenzentrums-Infrastruktur der Welt und hat das freundliche Image früherer Tage ("Tu nix Böses") längst abgelegt. Google als Substantiv ist das Synonym für einen Datensammler geworden, der seine Algorithmen wie einen Augapfel hütet und die Google-Gesellschaft bedient, die in der Google-Falle sitzt.

Eine Lektüreauswahl der sonntäglichen Geburtstagspost an Google zeigt die Bedeutung des Unternehmens ebenso wie die Angst vor Google. Die tageszeitung" feiert "Die Jetzt-Sofort-Allesmaschine" mit einem Text von Peter Glaser. Der Schlitz beschreibt, wie Google unser Leben verändert hat. Die Süddeutsche berichtet über das Imperium und wie weit es sich vom Motto "Don't be evil" entfernt hat. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schildert Google als Lebensader des Internet und nimmt die Metapher wörtlich: Abseits der Lebensader ist das überleben im Internet fast unmöglich. Für die Welt liegt die Zukunft der Denkmaschine in einem Supercomputer mit der Genom-Datenbank der gesamten Menschheit. Der englische Guardian schlägt in seinem Geburtstagsständchen gar eine neue Zeitrechnung vor: BG und AG (Before Google und After Google) könnten nicht nur die christliche Zeitrechnung ablösen. Im Jahre 10 lassen sich aber noch Späßchen über Google machen.

Quelle: www.heise.de

Date Added:
07.09.2008
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